Das Gesamtkonzept des Einschulungsverfahrens

Alle an der Entscheidung beteiligten Partner und Stellen sollen mitwirken

  • die Eltern des Kindes werden befragt
  • die Empfehlung der Kooperationslehrerin und der Erzieherinnen aus dem Kindergarten werden eingeholt
  • das Kind und die Eltern besuchen den Schulleiter

Wenn diese Gespräche keine eindeutige Entscheidung ermöglichen, wird die Teilnahme am Unterrichtsspiel des Kieler Einschulungsverfahren empfohlen.
Bietet auch dies keine eindeutige Entscheidung, kann noch die Einzeluntersuchung des Kieler Einschulungsverfahren angewendet werden.

Das Konzept des Unterrichtsspiels

In Analysen zur Einschulungsdiagnostik haben sich außer dem

  • kognitiven auch
  • der soziale,
  • der emotionale
  • und der motivationale Entwicklungsstand

als bedeutsam erwiesen. Diesen Erkenntnissen trägt das Unterrichtsspiel in hohem Maße Rechnung.

Der kognitive Bereich gliedert sich in die Einzelbereiche

  • Wahrnehmung

         Gliederungsfähigkeit, Formwiedergabe, Rechts-Links-Orientierung

  • Mengen

          Mengen vergleichen, Mengen ordnen, Mengen simultan erfassen

  • Denkfähigkeit

          Erfassen des Handlungsablaufes in einer Bildergeschichte

  • Sprache

          Sprechverhalten (Artikulation, Sprachfluss, Satzbau, Grammatik) und Sprachverhalten
          (Ausdrucksfähigkeit)

  • Gedächtnis

          Material (figural und verbal, anschauungsgebunden und sinnvoll zusammenhängend)

  • Sinneswahrnehmung (visuell und akustisch)

          Dauer (mittelfristig)

  • Motorik

          Feinmotorik und allgemeine Motorik

Der motivationale Bereich umfasst folgende Paradigmen

  • Anstrengungsbereitschaft

         ergänzt durch das Elterngespräch und Beobachtungen zur Selbstständigkeit Reaktion
         auf Erfolg und Misserfolg sowie Bewertung der eigenen Leistung

Die soziale Kompetenz zeigt sich, wie das Kind sich verhält bei

  • Kontaktaufnahme zu Kindern
  • Kontaktaufnahme zu Lehrer/innen
  • Arbeiten in der Kleingruppe
  • fühlt sich angesprochen oder braucht eine extra „Einladung",
  • kann abwarten, bis er/ es an der Reihe ist,
  • kann Regeln einhalten

Nicht ganz so einfach einzuschätzen ist der emotionale Bereich

dazu gehören:

  • Leistungsangst
  • (ängstliche zittrige Stimme, zögerliches Arbeiten)
  • soziale Angst
  • (trennt sich schwer von der Mama, heult ständig ...)

Die Durchführung des Unterrichtsspiels

Das Unterrichtsspiel soll als Gruppenverfahren durchgeführt werden. Als empfehlenswert erweisen sich Gruppenstärken von vier bis maximal sechs Kindern. Man benötigt eine Spielleitung und für die Beobachtung jeweils eine Person für zwei Kinder. Unerfahrene Beobachter sollten möglichst nur ein Kind beobachten müssen.

Zur Vorbereitung sollte beachtet werden:

  • einen Raum, möglichst ein Klassenzimmer, das zuvor entsprechend hergerichtet werden kann
  • einen Gruppentisch, an dem alle Kinder Platz nehmen können,
  • eine Tischgruppe für das „Baugelände",
  • jeweils eine Tischgruppe für die Paaraufgaben (Geschichte erzählen),
  • einen 3 m langen Tesastreifen auf dem Boden,
  • Wandbilder anbringen,
  • Platz für ein Ballspiel,
  • Kinder so weit auseinander setzen, dass sie nicht beim Nachbarn abschauen können (speziell beim Mengen erfassen)
  • genügend Zeit
  • für alle Kinder das gleiche Stiftmäppchen
  • einen brauchbaren Ball, ein Stofftier und genügend Ersatzblätter
  • Scheren, auch Linkshänderscheren
  • möglichst gleich nach der Durchführung mit den Beobachterinnen auswerten, da sonst die Personen nicht mehr greifbar oder die Beobachtungen schon zu weit weg sind

Die Einzeluntersuchung

Die Einzeluntersuchung wird von der Beratungslehrerin durchgeführt, wenn das Unterrichtsspiel im kognitiven Bereich zu wenig Aufschluss gibt. Es empfiehlt sich außerdem, wenn das Kind noch nicht genügend deutsche Sprachkenntnisse hat. Im Einzelfall kann ein Dolmetscher hinzugezogen werden.

  • Wahrnehmung

          Formauffassung, detailbeachtende Wahrnehmung

  • Mengen

         simultanes Mengen erfassen, Mengen herstellen

  • Denkfähigkeit

           Erfassen von Sinnzusammenhängen, Erkennen eines fehlenden Teils und Kenntnis
           von Farben und Formen

  • Sprache

          Sprech- und Sprachverhalten

  • Gedächtnis

          Material (verbal und mechanisch, sinnhaft)

  • Sinneswahrnehmung (akustisch)

          Dauer (unmittelbar bis mittelfristig)

  • Motorik

          Feinmotorik und allgemeine Motorik

Literatur