Die Grundschulen in Nordrhein-Westfalen stehen vor einschneidenden Veränderungen. Die Einführung der Schuleingangsphase an allen Grundschulen des Landes zum 1.8.2005 wirft viele Fragen auf, denn mit diesem Reformprojekt sind zahlreiche strukturelle, pädagogische und organisatorische Veränderungen verbunden.

Hinter der Idee der Schuleingangsphase steht die Beobachtung, dass Kinder, die schulpflichtig werden, mit ganz unterschiedlich ausgeprägten Fähigkeiten und Fertigkeiten in die Schule kommen. Neben Kindern, die bei der Einschulung schon lesen und schreiben sowie im Zahlenraum bis 20 oder darüber hinaus rechnen können, finden sich Kinder, die keine oder nicht hinreichende deutsche Sprachkenntnisse haben.

Sprachstandstest

Um den individuellen Sprachstand der Kinder genau einschätzen zu können, sollen mindestens zehn Monate vor der Einschulung mit allen Schulanfängern Sprachstandstest durchgeführt werden. Es bietet sich dabei an, diese Sprachstandstest in Kooperation mit den Kindergärten durchzuführen. Ein gut durchdachtes Konzept bietet der Sprachstandstest des niedersächsischen Kultusministeriums "Fit in Deutsch". Die zugehörigen Bildvorlagen können hier heruntergeladen werden.
Anhand der Testergebnisse kann dann entschieden werden, ob und welche Kinder an einer vorschulischen Sprachfördermaßnahme teilnehmen sollten.

Schulfähigkeitsprofil

Um den Grad der individuellen Schulfähigkeit der Kinder zu Beginn der Schuleingangsphase zu bestimmen, werden sogenannte Schulfähigkeitsprofile der einzelnen Kinder erstellt. Dies ist für die meisten Grundschulen kein neues Unterfangen. Viele Grundschulen führen schon seit Jahren verschiedenste Einschulungstest ( z.B. Kieler Einschulungsverfahren) durch. Um einen Überblick zu erhalten, welche Aspekte im nun geforderten Schulfähigkeitsprofil berücksichtigt werden sollen, empfiehlt sich eine Auseinandersetzung mit der Broschüre "Erfolgreich starten" des Ministeriums für Schule, Jugend und Kinder des Landes NRW.

Literaturempfehlungen zum Schulfähigkeitsprofil:

  • Brengelmann, Ute: Einschulungsdiagnostik und Schuleingangsphase. Grin Verlag, 2007

  • Günther, Herbert: Sprachförderung: Die Fitness-Probe. Beltz Verlag, 2003

  • Steffan, Edith: Reif für die Schule? Cornelsen Lernhilfen, 2001

Schuleingangsphase

Die Schuleingangsphase umfasst die Klassen 1 und 2 und wird in der Regel jahrgangsübergreifend organisiert. Eine Schule kann aber mit Zustimmung der Schulkonferenz eine andere Organisationsform wählen, die eine gleichwertige individuelle Förderung ebenso ermöglicht.

Ziel der Schuleingangsphase ist es, alle schulpflichtigen Kinder eines Jahrgangs in die Grundschule aufzunehmen und sie dem Grad ihrer Schulfähigkeit entsprechend zu fördern. Die Verweildauer in der Schuleingangsphase beträgt je nach den Fortschritten der Kinder ein bis drei Jahre. Das dritte Schulbesuchsjahr in der Schuleingangsphase wird nicht auf die Schulpflicht angerechnet.

Ein Beispiel für die Umsetzung der flexiblen Schuleingangsphase liefern die Schulversuche in sogenannten "FLEX-Schulen" des Landes Brandenburg. Die Handreichungen zu den FLEX-Versuchen finden Sie hier.

Übersichten über die von meinen Flex-Kollegen und mir geplanten und durchgeführten jahrgangsübergreifenden Unterrichtsreihen finden Sie hier.

Literaturempfehlungen zur flexiblen Schuleingangsphase:

  • Christiani, Reinhold: Schuleingangsphase neu gestalten. Cornelsen Scriptor, 2004

  • Christiani, Reinhold: Jahrgangsübergreifend unterrichten. Cornelsen Scriptor, 2005

Empfehlenswertes Unterrichtsmaterial für die jahrgangsübergreifende Schuleingangsphase:


TINTO ist ein Erstlesekonzept für das Lesen -und Schreibenlernen im offenen Anfangsunterricht entwickelt von Rüdiger Urbanek, das "Offenheit mit System" möglich macht. Grundlage der Materialien in der Lehrwerksreihe ist die Idee, dass Kinder sich den Weg in die Schriftsprache weitgehend selbstständig erarbeiten können.

Über die Materialien, die miteinander korrespondieren, ohne starr aufeinander aufzubauen, werden den Kindern individuelle Lernangebote gemacht. Je nach Leistungsstand, Motivation und (wachsendem) Vertrauen können sie selbst entscheiden, in welcher Reihenfolge sie die Angebote nutzen wollen.

TINTO ermöglicht Kindern entdeckendes Lernen und bietet offene Themen zum Lesen -und Schreibenlernen, die an den Sachunterricht anknüpfen. Die freie Kombinierbarkeit der Materialien macht eine prozessorientierte Förderung leistungsstarker und leistungsschwacher Schülerinnen und Schüler möglich. Der klar strukturierte Aufbau ermöglicht den Kindern sehr schnell, selbstständig mit den Materialien zu arbeiten, und den Lehrkräften jederzeit den Überblick zu behalten. Deshalb bieten sich diese Materialien besonders für den Einsatz in der jahrgangsübergreifenden Schuleingangsphase an.

Die Materialien

Zentrales Element der TINTO-Materialien ist die Lauttabelle in Form des Buchstabenhauses:
Im Dach befinden sich alle Vokale, Vokalverbindungen und Umlaute. Im Wohnbereich halten sich die Konsonanten auf und im Keller diejenigen Lautverbindungen, die besonders schwierig sind. Das Kellergeschoss kann zu Beginn des ersten Schuljahres weggeklappt werden, um die Aufmerksamkeit der Kinder zunächst auf die oberen Stockwerke zu lenken.

Das Buchstabenheft Bestellen über Amazon.de

In engem Zusammenhang mit dem Buchstabenhaus steht das Buchstabenheft: Zu jedem einzelnen Buchstaben sind Übungen zur visuellen und auditiven Analyse sowie eine Seite Schreibtraining zusammengestellt. Da das Buchstabenheft als Ordner (DIN A5) angelegt ist, können die Kinder auch hier die Reihenfolge, in der die Buchstaben bearbeitet werden, selbst bestimmen. Arbeitsanweisungen werden über immer wiederkehrende Symbole gegeben, sodass auch leseschwächere Kinder vollkommen selbstständig mit dem Buchstabenheft arbeiten können.

 Das Erstlesebuch der blauen Reihe

 

Das Erstlesebuch der grünen Reihe

Die Themen des Erstlesebuchs blau weisen Bezüge zum Sachunterricht auf. Jedes der zwölf Kapitel wird mit einem doppelseitigen Eingangsbild eingeleitet. Szenen aus dem Alltag der Kinder regen zum Gespräch an. Die folgenden Seiten greifen inhaltlich immer wieder Einzelszenen aus dem Eingangsbild auf. Unterschiedliche Texte in variierenden Schwierigkeitsgraden und Umfängen ermöglichen eine gute Differenzierung des Unterrichts. Die grüne Reihe zu Tinto ergänzt den jahrgangsübergreifenden Unterricht mit weiteren zwölf Kapiteln. Diese Reihe ist insbesondere für die Kinder gedacht, die ein zusätzliches Jahr in der flexiblen Einghangsstufe verbleiben.



Arbeitsheft Schreiben blau



Arbeitsheft Schreiben grün

Das Arbeitsheft Schreiben beginnt mit einer vierseitigen Einführung in die Arbeit mit dem Buchstabenhaus. Im weiteren Verlauf greift es die Themen des Erstlesebuchs auf, stellt die Leitfiguren vor, bietet Seiten zum freien Schreiben und Malen sowie Silbenübungen und Seiten zur Wortschatzerweiterung.

 

Arbeitsheft Sprache blau

 

 

Das Arbeitsheft Sprache greift die Themen des Erstlesebuchs im Sinne eines Spiralcurriculums auf und richtet sich an fortgeschrittene Tinto-Lerner - entweder differenzierend schon in Klasse 1 oder weiterführend in Klasse 2. Übungen und Aufgaben zum Lernbereich Sprache fördern das Sprachverständnis und die Schreibfähigkeiten. Lesetexte mit begleitenden Schreibanlässen und Übungen zum Leseverständnis stärken die Lesekompetenz.
Lernstrategien und Grammatikregeln sind auf einer gesonderten Karte übersichtlich dargestellt. Das hilft den Kindern beim eigenständigen Weiterlernen. Ein Portfolio am Schluss des Arbeitshefts gibt Auskunft über den individuellen Lernstand des Kindes.

Die Übungen der Lern-Kartei Sprachförderung eignen sich besonders für nicht deutschsprachige Kinder.

Ergänzungsmaterial

Weitere Ergänzungsmaterialien sind ein Bildwörterbuch, Schreiblehrgänge in verschiedenen Schreibschriften und eine Lieder-CD.

Die Leitfiguren

Der schwarz-weiße Kater Tinto streift durch die Einstiegsseiten des Erstlesebuchs, das Arbeits- und das Buchstabenheft. Oft ist er nicht auf den ersten Blick zu sehen. Er will gesucht werden.

Die Leitfiguren Tim, Fatma, Jonas und Lena erzählen in Bild und Text von ihren unterschiedlichen Familien und Lebensgewohnheiten: Das Leben in TINTO ist so bunt wie der Alltag an unseren Schulen mit multikulturellen Klassenverbänden und variierenden Familienkonzepten.