Unterrichtsbesuche müssen Sie während Ihres Referendariats mehr als nur einmal über sich ergehen lassen. Sie dienen der Anleitung, Beratung und Unterstützung, aber auch der Beurteilung und Benotung Ihrer unterrichtlichen Fähigkeiten.

Sie werden in jedem Ihrer Fächer (nur in denen Sie ausgebildet werden) mindestens drei Unterrichtsbesuche haben.
Die Stellung der Unterrichtsbesuche bzgl. Ihrer Gesamtnote im Zweiten Staatsexamen ist zwar nicht unerheblich, trotzdem geht die Welt nicht unter, wenn einmal ein Unterrichtsbesuch in die Hose geht. Mit den Unterrichtsbesuchen versuchen Ihre Fachleiter, Ihre Entwicklung zu beurteilen und letztendlich auch zu benoten.

Die ersten Unterrichtsbesuche

Beim ersten Unterrichtsbesuch steht weniger der fachliche Aspekt als Ihre Lehrerpersönlichkeit im Vordergrund. Das bedeutet zwar nicht, dass der fachliche Schwerpunkt von Ihnen vernachlässigt werden darf, aber Hauptgesprächsthema im anschließenden Reflexionsgespräch werden Sie als Lehrer und Ihre schriftliche Planung (Unterrichtsentwurf) sein.
Hier finden Sie ein paar Hilfen , die Ihnen vor dem Einstieg in die Planung Ihres ersten Unterrichtsbesuchs nützlich sein können.

Der Unterrichtsentwurf

Der Unterrichtsentwurf stellt eine schriftliche Dokumentation Ihrer Unterrichtsplanung dar. Unabdingbare Bestandteile eines solchen Entwurfs sind: die Ziele Ihrer Unterrichtsreihe, das Schwerpunktziel Ihrer Unterrichtsstunde, Lernvoraussetzungen der Kinder, eine Sachanalyse, Bezüge zu RL und LP, Lernchancen der Kinder (auf Sach, Sozial- und Individualebene), von Ihnen erwartete Schwierigkeiten und die von Ihnen für die Unterrichtsreihe verwendete Literatur.

Lernvoraussetzungen der Kinder

Es ist unabdingbar, dass Sie sich bei Ihren Mentoren über die Kinder in Ihrer Lerngruppe informieren. Machen Sie sich vertraut mit den bekannten Arbeitstechniken und Verfahrensweisen. Übernehmen Sie bestehende Rituale und Signale (Stille-Zeichen, etc.). Setzen Sie sich mit den sozialen Kompetenzen der Kinder auseinander und machen Sie sich den Grad der Selbstständigkeit der Kinder bewusst. Nehmen Sie individuelle Stärken und Schwächen der Kinder wahr und berücksichtigen Sie diese in Form von differenzierten Lernangeboten.

Die Sachanalyse

In einigen Seminaren, u.a. im Studienseminar Kleve für die Primarstufe, kann man anstatt einer verschriftlichten Sachanalyse auch ein Mindmap zum Thema der Unterrichtsreihe erstellen. Auf der Seite www.mindjet.de finden Sie eine kostenlose Testversion des Mindmanagers, mit dem Sie Ihre Mindmaps ganz proffessionell am PC gestalten können.

Lehrplan und Richtlinien

In der Auseinandersetzung mit dem Lehrplan und den Richtlinien können Sie überprüfen, ob diese mit den Vorgaben der RuL übereinstimmen. Sie sind bei Ihrer Planung an diese Vorgaben gebunden. Beachten Sie also, ob Ihre Anforderungen mit denen der RuL konform gehen.

Die Reflexion

In der Reflexion sollen Sie den Kindern durch gezielte Anreize die Möglichkeit geben, über das eigene Lernen (bezogen auf Ihre Lernziele) nachzudenken. Eine gute Reflexion macht den Kindern bewusst, was Sie gelernt haben und gibt einen Ausblick darauf, welchen Nutzen das Gelernte auch in anderen Zusammenhängen bietet.

Die weiteren Unterrichtsbesuche

Für Ihre weiteren Unterrichtsbesuche ist es wichtig, dass Ihre Stunden gut geplant sind, d.h. die Lernvoraussetzungen der Kinder (Differenzierung und Bezüge zur Lebenswirklichkeit) berücksichtigt werden. Machen wir uns nichts vor, Unterrichtsbesuche sind Schaustunden - kommen Sie also bitte nicht auf die Idee eine Mathestunde à la Mathebuch Seite 46 zu zeigen.

In offenen Unterrichtsformen (Stationsläufe, wahldifferenzierte Angebote und Werkstätten) mit wechselnden Sozialformen (Einzel-, Partner- und Gruppenarbeit) können häufig die individuellen Lernvoraussetzungen der Kinder gut berücksichtigt werden.

Lernziele und Lernangebote

Bei der Planung sollten Sie aber Ihre Lernziele nie aus den Augen verlieren. Überprüfen Sie Ihre Lernangebote auf die Sinnhaftigkeit und Notwendigkeit bzgl. Ihres Lernziels. Insbesondere bei wahldifferenzierten Angeboten passiert es leicht, dass man ein Lernangebot zur Verfügung stellt, dass zwar schön ist, aber für das Lernziel keinen Nutzen bringt.
Zur Überprüfung Ihrer Lernangebote und Lernziele dient die hier zum Download bereitgestellte Übersicht.

Das Beratungsgespräch

Das an Ihre Unterrichtsbesuche und auch an Ihre UPP's anschließende Beratungsgespräch nimmt einen wesentlichen Anteil Ihrer Beurteilung seitens der Fachleiter ein. Im Beratungsgespräch ist es an Ihnen zu zeigen , dass Sie in der Lage sind Ihren eigenen Unterricht zu reflektieren und ggf. auch Alternativen aufzuzeigen, falls einmal etwas nicht so gut gelungen ist.

Der Aufbau des Beratungs- bzw. Reflexionsgesprächs ist in den einzelnen Seminaren unterschiedlich. Üblich ist, dass Sie zu Beginn des Gesprächs Zeit haben für eine erste Stellungnahme.
Daran schließt sich in vielen Seminaren eine Positiv-Runde an, in der sich alle am Gespräch Beteiligten (Fachleiter/In, AKO, evtl. Hauptseminarleiterin, evtl. Mentorin) äußern. Danach werden Dinge besprochen, die vielleicht noch nicht so gut geklappt haben und evtl. Alternativen aufgezeigt..
Kleiner Tipp: Gehen Sie mit Kritik stets konstruktiv um, das ist die halbe Miete!